über die Grenzen … Die 10 Frankfurter Ortseingangsstelen

… nein, es handelt sich nicht um exakt eingemessene Grenzsteine, schon gar nicht um historische …, sondern um Stelen mit dem Frankfurter Stadtwappen, die vor über 40 Jahren an einigen Haupteinfallstraßen nach Frankfurt in der Nähe der betreffenden Grenzlinie auf Frankfurter Grund errichtet wurden. Dennoch sind sie von Bedeutung und “setzen Zeichen”.

Wer beispielsweise von Bad Vilbel eine solche Hauptstraße direkt nach Frankfurt / M. nutzt, kennt diese Stelen in Obeliskform am Fahrbahnrand.

Weil wir als Ansprechpartner für historische Grenzsteine inzwischen häufiger nach diesen “Grenzsteinen” gefragt werden, von denen alleine zwei im Bereich der Grenze von Bad Vilbel Richtung Frankfurt stehen, stellen wir hier erstmals Informationen zu Entstehung, Bedeutung und Bestand zusammen.

Dafür ist ein Team der AG HISTORISCHE GRENZSTEINE BAD VILBEL ausgeschwärmt oder konnte nach langer Recherche und auch mit Hilfe von google street view sieben der neun von ursprünglich 25 geplanten Stelen feststellen. Auf zwei weitere hat uns Clara Hartmann, Erzhausen (Expertin für Distanzsteine) hingewiesen. An die 10. und letzte je hergestellte Stele erinnerte sich der ausführende Steinmetz Alfred Ruths bei einem Besuch in seiner Werkstatt. Alle Stelen sind – bis auf eine Ausnahme – an den nordöstlichen Einfallsstraßen nach Frankfurt / M. zu finden.

DIE GESCHICHTE:
Die Idee dazu hatte vor über 40 Jahren Dr. Hans-Erhard Haverkampf, der sich für das Thema der Grenzsteine Frankfurts einsetzte. „Eher aus einem Kantinen-Gespräch mit dem Leiter des Stadtvermessungsamtes, Herrn Sievert, war schon 1977 die dezernatsübergreifende Idee entstanden, die Territorialkonflikte Frankfurts an ihren sinnfälligsten Zeugnissen, nämlich den Grenzsteinen, erinnerbar zu machen …” sagt Haverkampf heute.

Am 26. November 1980, wurde zunächst die erste dieser Grenzstelen auf Veranlassung und im Beisein von Baudezernent Dr. Hans-Erhard Haverkampf und Klaus Bodensohn, dem erst 1980 ernannten Baustadtrat und späteren Bürgermeister der Nachbarstadt Offenbach am Deutschherrenufer an der Grenzlinie Frankfurt / M. zu Offenbach gesetzt.

Es war der Start, ursprünglich 25 solcher Stelen aus Rotsandstein rund um Frankfurt / M. an den frequentiertesten Einfallstraßen in das Stadtgebiet aufzustellen und damit bislang in Holz gearbeitete sehr dekorative Tafeln von Holzbildhauer Hugo Uhl (1918-1999) durch diese dauerhaft beständige Lösung zu ersetzen. In jedem der folgenden Jahre sollten 3 weitere dieser Stelen errichtet werden.

Doch wurde diese Idee durch personelle Veränderungen aber auch durch unterschiedliche Prioritäten in den Ämtern niemals vollständig rund um Frankfurt realisiert, sondern “versandete” mit dem Setzen der 10. Ortseingangsstele 1983 im 3. Jahr der Umsetzung, so dass diese besonderen Steine nicht vollständig rund um Frankfurt zu finden sind.

Diese vermeintlichen „Grenzsteine“ sind keine Grenzsteine zur exakten Markierung eines Grenzverlaufes, sondern ein dekorativ gearbeitetes und in Grenznähe aufgestelltes Symbol für alle, die die Grenze hinein in das Frankfurt Stadtgebiet passierenden. Beauftragt mit Entwurf, Herstellung und Errichtung wurde die seit 1888 in Frankfurt ansässige Firma Marmor Rupp.


KENNZAHLEN:

Inschrift: (ausschließlich auf der Frankfurt abgewandten Seite):

Stadtwappen

„FRANKFURT
AM MAIN“

Maße: 160 cm Gesamthöhe mit Sockel (Details siehe Skizze)
Datierung: 1980
Ausführung: in Form eines Obelisken mit pyramidenförmigem Abschluss
Material: Rotsandstein
Entwurf und Realisation:
Fa. Marmor Rupp
Anzahl: 10 von ursprünglich 25 geplanten Exemplaren
Standorte: siehe Übersicht

 

 


DIE STANDORTE IN BILDERN (im Uhrzeigersinn Nord – Ost – Süd – West)

BAD HOMBURG – Ober-Eschbach    Frankfurt / M. – Nieder-Eschbach (L 3003 / unter der Brücke)


BAD HOMBURG – Ober-Erlenbach    Frankfurt / M. – Nieder-Erlenbach (Vilbeler Str. / L 3008)


BAD VILBEL – Massenheim    Frankfurt / M. – Nieder-Erlenbach (L 3008)


BAD VILBEL – Heilsberg   Frankfurt / M. – Seckbach (B 521)


MAINTAL-Bischofsheim    Frankfurt / M. – Fechenheim (Wilhelmsbader Weg)


MAINTAL    Frankfurt / M. – Fechenheim (Hanauer Landstr. / B 8)


OFFENBACH    Frankfurt / M. – Fechenheim (Carl – Ulrich – Brücke)


OFFENBACH    Frankfurt / M. – Sachsenhausen (Gerbermühlstr. / B 43)


OFFENBACH    Frankfurt / M. – Sachsenhausen (Babenhäuser Landstr. / B 3)
 


ESCHBORN    Frankfurt / M. – Sossenheim (L3005 – Lorscher Straße)

 



In der folgenden Karte sind alle 10 Stelen mit  GPS-Koordinaten verzeichnet:

 

 


Wir danken
Dr. Hans-Erhard Haverkampf für die Erstinformationen rund um das Thema
Albert Ruths, Fa. Marmor Rupp
Reiner Uhl, Bildhauerei Uhl, Frankfurt / M.
Clara Hartmann, Erzhausen für die Meldung weiterer Stelen
Dr. Wilhelm Ott, Dreieich für Fotos mitten aus dem Verkehrsgeschehen.
Institut für Stadtgeschichte (ISG), Frankfurt

Den Mitglieder der AG Historische Grenzsteine Bad Vilbel, die im Rahmen ihrer Erkundungen auch einzelne dieser Stelen gereinigt oder von Bewuchs freigeschnitten habe

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