Grenzsteinwissen (Funktionen, Grundrisse, Formen, Material …)

Sie möchten gerne Näheres über einen historischen Grenzstein in Hessen und insbesondere im Rhein – Main – Gebiet erfahren, über Funktion / Bedeutung, aber auch Formen, das Material oder die Konstruktion? Da sind Sie hier genau richtig! Nachfolgend haben wir  die wesentlichen Merkmale aufgeführt, so daß Sie „Ihren Grenzstein“ möglichst genau zuordnen können:

1. Gesamtansicht – Beispiel der Konstruktion eines Grenzsteins (Großherzogthum Hessen) mit seiner Bodenverankerung
2. Die Kategorien – Welche Grenzmale mit welchen Funktionen gibt es?
3. Format / Aussehen:

3a Die häufigsten Grundrisse von Grenzmalen

3b Die häufigsten Kopfformen von Grenzmalen

4. Materialien der Grenzsteine
5. Inschriften – Verzeichnis Hessen (Sonderseite)

A B C | Zahlen  | Symbole – Wappen – Zeichen | Weisungen

 

 

1. Gesamtansicht (in situ) eines historischen Grenzsteins

Von Grenzsteinen sieht man üblicherweise am Originalort nur den oberirdischen Teil, während der gesamte Stein nur ausgegraben oder nach einer Havarie losgelöst von seinem Standort und seiner Funktion sichtbar wird.

Ein glücklicher Umstand an einem steilen Bachlauf bot 2024 Gelegenheit, dass uns ein im Fundament einseitig freigespülter Grenzstein als Demonstationsobjekt für diese Darstellung dienen konnte, bevor wir den Fuß wieder befestigten. Wir können daher hier die seltene Gesamtansicht eines vollständigen Grenzsteins an seinem Originalstandort zeigen, auch wie er unter der Erdoberfläche fixiert, markiert und im Erdreich verankert ist:

 

2. Die Kategorien der verschiedenen Grenzmale

Liste der wesentlichen Kategorien und deren Funktionen
(unterstrichene Begriffe sind zu Beispielen verlinkt)

GRENZMALE-KATEGORIEN BEISPIELE / ERLÄUTERUNGEN / FUNKTION
  Landesgrenzstein Hoheitsstein
  Gemarkungsgrenzstein Mark-, Bann- oder Malstein,
Fleckenstein
  Güterstein
    • Grundstücksstein
    • Parzellenstein
    • Flurgrenzstein
  Grenzstein bes. Art
    • Weide-, Hute-, Schäferstein
    • Tratt- oder Triftstein
    • Jagdstein
    • Forststein
      • Wald- / Holznutzungsrecht
    • Fischwasserstein
      • Fischereirechte
    • Burgfriedenstein
    • Geleitstein
    • Freiungsstein
    • Rottenbezirksstein
  Zehntstein Auch Zehnt-Frei-Stein (ZF)
  Lochstein (Bergbau) Zur Markierung einer Mutung (Grubenfeld)
  Vermessungsmarke Alte Festlegung der Landvermessung
  Wegemarke
  Merkstein bes. Art
  diverse unbekannte Zweckbestimmung

 

3a. Die häufigsten Grundrisse von Grenzsteinen
  FORM ERLÄUTERUNGEN
rechteckig
quadratisch
dreieckig
rund
gewinkelt (Grenzverlauf)
Variante gewinkelt (Grenzverlauf)

 

3b. Die häufigsten Kopfformen von Grenzsteinen
  KOPFFORM (Seitenansicht) ERLÄUTERUNGEN
flach
gewölbt: bogenförmig
gewölbt: halbkugelförmig
(z.B. km-Stein)
spitz: dachförmig
spitz: pyramidenförmig
unregelmäßige Form z.B. bei unbehauenem Naturstein

 

4. Die MATERIALIEN der Grenzsteine
  KALKSTEIN:
Wichtige Vorkommen:
Nordhessen: Lagerstätten bei Korbach und Kassel, Hünfeld.
Mittelhessen/Rhein-Lahn-Gebiet z.B. bei Limburg und Gießen
Wetzlarer Raum und Rheingau / Wiesbaden.
  BASALT: Basaltvorkommen in Hessen
    Lungenbasalt
Blaubasalt (Kegel)
  SANDSTEIN:
Rotliegender
(Sandstein aus Bad Vilbel)
Gelber Sandstein (Wetzlar)
  Roter Mainsandstein
  WEITERE …
Findling (unbehauener, örtl. vorkommender Stein):
Beispiel: Der „Urstein“ von Vilbel

 

Graphische Neuanlage der Abbildungen: Forschungsgemeinschaft Richard Zorn (2025).

 


 Quellen:
Eigene Feststellungen als Obmann für hist. Grenzsteine
Heinrich Riebeling: Flurdenkmale: Formen, Namen, Zeichen, Dokumentation. Anleitung zur Inventarisation (1978)
Ernst Döpfer: Mein Weg zum Ziel – Leitfaden zum Aufsuchen und Erfassen historischer Grenzsteine (2013)

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