Eine Besonderheit sind die Frankfurter Ortseingangsstelen mit dem Stadtwappen, die vor über 45 Jahren an den Haupteinfallstraßen nach Frankfurt in der Nähe der Grenzlinien auf Frankfurter Terrain errichtet wurden. Sie sollten schon damals für die Einfahrenden nach Frankfurt am Main ein Zeichen setzen, die vielfältige Geschichte der Stadt wahrzunehmen.

DIE GESCHICHTE:
Die Idee dazu hatte Dr. Hans-Erhard Haverkampf, der sich für das Thema der Grenzsteine Frankfurts einsetzte. „Eher aus einem Kantinen-Gespräch heraus mit dem Leiter des Stadtvermessungsamtes, Herrn Sievert, war schon 1977 die dezernatsübergreifende Idee entstanden, die Territorialkonflikte Frankfurts an ihren sinnfälligsten Zeugnissen, nämlich den Grenzsteinen, erinnerbar zu machen …“ berichtet Haverkampf (2024).
Da die noch erhaltenen historischen Grenzsteine jedoch meist an wenig markanten Orten existierten, entwickelte er die Idee der symbolischen aber markanten Ortseingangsstelen an den jeweiligen Zufahrtsstraßen zu Frankfurt am Main. Auch um eine daherhaftere Alternative zu den inzwischen morsch gewordenen geschnitzten Thementafeln zu schaffen.
Am 26. November 1980, wurde die erste dieser Ortseingangsstelen auf Veranlassung und im Beisein von Baudezernent Dr. Hans-Erhard Haverkampf und Klaus Bodensohn, dem erst 1980 ernannten Baustadtrat und späteren Bürgermeister der Nachbarstadt Offenbach am Deutschherrenufer nahe zur Grenzlinie Frankfurt / M. zu Offenbach gesetzt.
Es war der Start, ursprünglich 25 solcher Ortseingangsstelen aus (für Frankfurt typischem) Rotsandstein rund um Frankfurt / M. an den frequentiertesten Einfallstraßen aufzustellen und damit die bislang in Holz gearbeiteten, sehr dekorativen Tafeln von Holzbildhauer Hugo Uhl (1918-1999) durch diese dauerhaft beständige Lösung zu ersetzen. In jedem der folgenden acht Jahre sollten 3 weitere dieser Ortseingangsstelen errichtet werden.
Warum ein Obelisk? Der Obelisk hatte bereits für die Römer eine besondere Bedeutung. Da diese hier ansässig waren (Heddernheim, Nordweststadt, Nidda usw.), machte der beauftragte Steinmetz und Bildhauer Albert Ruths den Vorschlag, die Frankfurter Ortseingangsstelen als Obelisk auszuführen.
Doch wurde dieses Projekt der 25 Ortseingangsstelen durch personelle Veränderungen aber auch durch unterschiedliche Prioritäten in den Ämtern niemals vollständig rund um Frankfurt realisiert, sondern „versandete“ mit dem Setzen der 10. Ortseingangsstele 1983 bei Sossenheim im 3. Jahr der Umsetzung, so dass diese besonderen Steine nicht vollständig wie geplant rund um Frankfurt existieren.
Diese vermeintlichen „Grenzsteine“ sind im übrigen keine Grenzsteine zur exakten Markierung eines Grenzverlaufes, sondern ein dekorativ gearbeitetes und in Grenznähe auf jeweils Frankfurter Territorium aufgestelltes Symbol für alle, die die Grenze in Richtung Frankfurter Stadtgebiet passieren. Beauftragt mit Entwurf, Herstellung und Errichtung wurde die seit 1888 in Frankfurt ansässige Firma Marmor Rupp.
Es sind Stelen, die allesamt mit ihrem Wappen und der Wahl der Straßenseite ausschließlich auf einfahrende Fahrzeuge nach Frankfurt / M. ausgerichtet sind, also der stilvollen (Wappen, Form, Material) Information am Ortseingang dienen, dass man die geschichtsträchtige Stadt Frankfurt am Main erreicht hat.
Eine sehr reizvolle Idee war es zudem, dass im Dialogmuseum Frankfurt ebenfalls eine Ortseingangsstele (bislang unbekannter Herkunft, mutmaßlich eine Replik, das ergründen wir derzeit) aufgestellt wurde, um im Dunkeln nicht nur das markante Stadtwappen und die Inschriften dieser Stele eindrucksvoll ertasten zu können.
KENNZAHLEN:
| Inschrift: | (ausschließlich auf der Frankfurt abgewandten Seite):
Stadtwappen „FRANKFURT |
| Maße: | 160 cm Gesamthöhe mit Sockel (Details siehe Skizze) |
| Datierung: | 1980 |
| Ausführung: | in Form eines Obelisken mit pyramidaler Form an der Spitze (Pyramidion) [Der Obelisk hatte für die Römer eine besondere Bedeutung. Da die Römer hier ansässig waren (Heddernheim usw.), entstand die Idee, diese Stelen als Obelisk auszuführen.] Idee und Ausführung: Steinmetz Albert Ruths |
| Material: | Obelisk: fester Rotsandstein aus Dietenhan (Druckfestigkeit bis 96 MPa) Sockel: Granit |
| Entwurf und Realisation: |
Steinmetz Albert Ruths, Inh. der Fa. Marmor Rupp |
| Anzahl: | 10 von ursprünglich 25 geplanten Exemplaren sowie eine Replik im Dialogmuseum |
| Standorte: | siehe Übersicht |
DIE STANDORTE IN BILDERN
(im Uhrzeigersinn Nord – Ost – Süd – West)
1. BAD HOMBURG – Ober-Eschbach
Frankfurt / M. – Nieder-Eschbach (L 3003 / unter der Brücke)
2. BAD HOMBURG – Ober-Erlenbach
Frankfurt / M. – Nieder-Erlenbach (Vilbeler Str. / L 3008)
3. BAD VILBEL – Massenheim
Frankfurt / M. – Nieder-Erlenbach (L 3008)
4. BAD VILBEL – Heilsberg
Frankfurt / M. – Seckbach (B 521)
5. MAINTAL-Bischofsheim
Frankfurt / M. – Fechenheim (Wilhelmsbader Weg)
6. MAINTAL
Frankfurt / M. – Fechenheim (Hanauer Landstr. / B 8)
7. OFFENBACH
Frankfurt / M. – Fechenheim (Carl – Ulrich – Brücke)
8. OFFENBACH
Frankfurt / M. – Sachsenhausen (Gerbermühlstr. / B 43)
9. OFFENBACH
Frankfurt / M. – Sachsenhausen (Babenhäuser Landstr. / B 3)
10. ESCHBORN
Frankfurt / M. – Sossenheim (L3005 – Lorscher Straße)
Diese Ortseingangsstele ist derzeit wegen umfangreicher Baumaßnahmen entfernt worden und wird nach Ende der Bautätigkeit am selben Ort wiedererrichtet. (Info: Denkmalamt Ffm)
Darüber hinaus befindet sich eine Replik der Frankfurter Ortseingangsstele zum Ertasten in den Dunkelräumen des Dialogmuseums Frankfurt.
Wir danken Gernot Gottwals, Frankfurt / M. für den Hinweis.
In der folgenden Karte sind alle 10 existierenden Ortseingangsstelen mit GPS-Koordinaten ihrer Standorte verzeichnet. Auch die Orte der weiteren 15, nie realisierten Stelen sind hier aufgeführt:
Dies ist ein Geschichtsprojekt interessierter Bürgerinnen und Bürger aus Bad Vilbel und Frankfurt.
Wir danken
- Dr. Hans-Erhard Haverkampf († Juni 2026)
für seine umfassenden Erstinformationen rund um das Thema - Bildhauer und Steinmetz Albert Ruths, Fa. Marmor Rupp
- Reiner Uhl, Bildhauerei Uhl, Frankfurt / M.
- Clara Hartmann, Erzhausen für die Meldung weiterer Stelen
- Dr. Wilhelm Ott, Dreieich für Fotos mitten aus dem Verkehrsgeschehen.
- Gernot Gottwals, Journalist in Frankfurt / M.
- Institut für Stadtgeschichte (ISG), Frankfurt
- Den Mitglieder der AG Historische Grenzsteine Bad Vilbel, die maßgeblich diese Rechercheergebnisse erzielten und im Rahmen ihrer Erkundungen auch einzelne dieser Stelen gereinigt oder von Bewuchs freigeschnitten haben. Und diese Betreuung alljährlich im Herbst ehrenamtlich wiederholen.
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